Was ein Beichtspiegel ist – und was nicht
Ein Beichtspiegel ist eine Erinnerungshilfe. Er stellt Fragen, damit im ruhigen Durchgehen wieder auftaucht, was im Alltag untergegangen ist. Mehr will er nicht.
Was er nicht ist:
- Keine Checkliste zum Abhaken. Wer alles findet, hat den Spiegel benutzt wie eine Suchmaschine.
- Keine Schwereskala. Ob etwas schwer wiegt, hängt an drei Dingen zugleich (schwere Materie, volle Erkenntnis, freie Zustimmung – KKK 1857), und zwei davon kann kein Text von außen beurteilen.
- Kein Ersatz für das Gespräch. Wo du unsicher bist, gehört die Unsicherheit in die Beichte hinein und nicht vorher weggeräumt.
Halte am Anfang kurz inne und bitte um Licht (KKK 1454). Ohne diesen Satz wird das Durchgehen eine Selbstbefragung, und die trifft selten.
Der erste Bereich: Gott
Erstes bis drittes Gebot
- Habe ich gebetet – und wenn nicht, warum nicht?
- Habe ich mein Leben so eingerichtet, als hinge alles an mir?
- Habe ich mich auf Dinge verlassen, die keinen Halt geben (Geld, Erfolg, Beifall, Aberglaube, Okkultes)?
- Habe ich über Gott, den Glauben oder die Kirche leichtfertig oder verächtlich geredet?
- Habe ich den Namen Gottes gedankenlos oder im Zorn gebraucht?
- Habe ich den Sonntag als Tag Gottes gehalten – die heilige Messe, die Ruhe, die Zeit für andere?
- Habe ich mich für meinen Glauben geschämt, wo ein Wort angebracht gewesen wäre?
Der zweite Bereich: Die Menschen um mich
Viertes bis zehntes Gebot
Familie und Nächste
- Wie rede ich mit denen, mit denen ich lebe? Wie rede ich über sie, wenn sie nicht dabei sind?
- Habe ich meine Eltern geachtet, auch wenn sie alt, schwierig oder fern sind?
- Habe ich für die Menschen, die mir anvertraut sind, Zeit gehabt – oder nur Reste?
- Habe ich Versöhnung aufgeschoben, obwohl der erste Schritt bei mir gelegen hätte?
Leben und Leib
- Habe ich jemanden verletzt – mit der Hand, mit Worten, durch Schweigen?
- Trage ich Zorn oder Groll mit mir herum und pflege ihn?
- Gehe ich mit meiner Gesundheit, meinem Schlaf, dem Alkohol so um, wie man mit etwas Anvertrautem umgeht?
- Habe ich das Leben anderer geachtet – auch das ungeborene, das kranke, das alte?
Liebe und Treue
- Habe ich den anderen als Person gesehen oder als Mittel?
- War ich treu – in Gedanken, in Worten, im Blick, im Netz?
- Habe ich in meiner Ehe oder Beziehung das gelebt, was ich versprochen habe?
Besitz und Arbeit
- Habe ich genommen, was mir nicht gehört – auch Zeit, auch Arbeit anderer?
- Bin ich ehrlich gewesen, wo Ehrlichkeit Geld gekostet hätte?
- Habe ich gegeben, wo ich hätte geben können? Was ist mit dem, was ich im Überfluss habe?
- Habe ich meine Arbeit ordentlich getan, oder andere für mich arbeiten lassen?
Wahrheit
- Habe ich gelogen – auch durch Weglassen, auch durch Übertreibung?
- Habe ich den Ruf eines anderen beschädigt, auch wenn das Gesagte stimmte?
- Habe ich ein Vertrauen weitergegeben, das mir gegeben war?
- Habe ich zugeschaut, wo ich hätte widersprechen müssen?
Begehren
- Woran hängt mein Herz, wenn ich ehrlich bin?
- Neide ich anderen, was sie haben oder sind?
- Was will ich unbedingt haben, und was tut das mit mir?
Der dritte Bereich: Ich selbst
- Wo bin ich unfrei? An welchen Punkt komme ich immer wieder?
- Was vermeide ich, weil es unangenehm ist – und was kostet dieses Vermeiden andere?
- Nehme ich mich zu wichtig oder zu unwichtig? Beides ist eine Form, an der Wahrheit vorbeizuleben.
- Bin ich dankbar gewesen?
- Habe ich mir selbst vergeben, wo Gott längst vergeben hat?
Nach dem Durchgehen
Drei Dinge, in dieser Reihenfolge:
- Reue. Nicht das Gefühl entscheidet, sondern der Wille: Es tut mir leid, und ich will es nicht mehr. Vollkommene Reue kommt aus der Liebe zu Gott, unvollkommene aus der Furcht – beide reichen für die Beichte (KKK 1451–1453).
- Vorsatz. Einer. Klein und überprüfbar.
- Hingehen. Der Rest geschieht im Sakrament, nicht am Schreibtisch. Wie das konkret abläuft, steht auf der Seite Beichte vorbereiten.
Und dann: aufhören. Wer nach der Beichte weitersucht, hat den Spiegel nicht mehr in der Hand, sondern der Spiegel ihn.