Was Exodus 90 ist
Exodus 90 ist ein katholisches Programm für Männer, das 2011 aus der Begleitung von Seminaristen entstanden ist und seit 2015 in großer Zahl gebetet wird. Neunzig Tage lang tragen drei Säulen den Weg: Gebet, Askese und Brüderlichkeit. Die Askese ist der Teil, über den geredet wird, weil er sich erzählen lässt: kalte Duschen, kein Alkohol, keine Süßigkeiten, kein Fernsehen, kein unnötiger Bildschirm, Fasten am Mittwoch und Freitag, Sport dreimal die Woche.
Getragen wird das Ganze aber von der dritten Säule. Die Männer gehen den Weg in kleinen Gruppen, treffen sich wöchentlich und melden sich täglich bei einem festen Ansprechpartner. Wer allein anfängt, hört meistens auf.
Inzwischen ist aus dem einen Programm ein Jahreskreis geworden, mit kürzeren Formaten in der Fastenzeit, im Advent und in der vierzigtägigen Fastenzeit des heiligen Michael von Mitte August bis zum Fest der Erzengel am 29. September.
Warum dort ein Examen vorkommt
Die erste Säule, das Gebet, ist genauer geregelt, als viele erwarten. Verlangt sind eine tägliche Gebetsstunde (Holy Hour) mit stiller Betrachtung, die Aufopferung des Tages am Morgen, die Lesung mit einem kurzen Nachklang, und am Ende des Tages das Examen.
Bemerkenswert ist, was Exodus dabei nicht verlangt: Der Rosenkranz ist ausdrücklich keine Pflichtdisziplin. Die Begründung ist ignatianisch gedacht, auch wenn das Programm insgesamt aus mehreren Traditionen schöpft. Gesprochene Gebete sollen die stille Aufmerksamkeit nicht verdrängen. Das Examen bleibt, der Rosenkranz ist frei.
Die fünf Schritte, wie Exodus sie beschreibt
- Sich der Gegenwart Gottes bewusst werden. Nicht sofort mit der Bilanz anfangen. Erst wahrnehmen, vor wem man sitzt.
- Für den Tag danken. Konkret, nicht allgemein. Nicht „danke für alles", sondern für die eine Sache, die heute gut war.
- Den Tag durchgehen und benennen, was falsch war. Der Reihe nach, vom Aufwachen bis jetzt. Ohne zu beschönigen und ohne sich zu zerlegen.
- Um Vergebung bitten. Für das Benannte, ausdrücklich.
- Einen Vorsatz für morgen fassen. Einen einzigen, und einen, der klein genug ist, um ihn wirklich zu halten.
Das folgt im Kern dem Aufbau, den Ignatius im Exerzitienbuch beschreibt (EB 43). Ganz deckungsgleich sind die Listen nicht: Exodus beginnt mit der Vergegenwärtigung Gottes; bei Ignatius folgt auf den Dank die Bitte um Licht, die Exodus nicht eigens aufführt, und manche Schritte sind anders gefasst. Gemeinsam ist beiden das Entscheidende, und es ist keine Kleinigkeit: Der Dank steht vor der Prüfung, weil sonst aus dem Rückblick eine Anklage wird.
Warum ausgerechnet diese Disziplin liegen bleibt
Das kalte Duschen ist unangenehm, aber eindeutig. Man hat es getan oder nicht. Fasten ebenso. Das Examen dagegen lässt sich vollständig einbilden. Abends um halb elf, nach einem langen Tag, ist die Versuchung groß, den Punkt in der Liste abzuhaken und zu denken, man habe im Auto ja irgendwie zurückgeblickt.
Dazu kommt ein zweites, ehrlicheres Problem: Vielen ist nie gezeigt worden, wie es geht. Askese versteht man sofort. Eine Viertelstunde Stille zu strukturieren, ohne ins Grübeln oder ins Aufrechnen zu geraten, ist eine erlernbare Fertigkeit, und niemand lernt sie aus einer Checkliste.
Deshalb ist das Examen der Punkt, an dem eine Gruppe entweder wächst oder auseinanderfällt. Es ist der einzige Teil des Programms, der nach den neunzig Tagen weitergehen kann und für den es sich lohnt, dass er es tut.
Das Examen nach den neunzig Tagen
Programme haben einen Anfang und ein Ende, und das ist ihre Stärke. Das Examen hat weder das eine noch das andere. Ignatius empfiehlt es zweimal täglich und rechnet damit, dass jemand es ein Leben lang betet.
Wer nach dem Programm weitermacht, merkt bald, dass die Übung ihren eigentlichen Ertrag erst mit der Zeit abwirft. Ein einzelner Abend zeigt wenig. Sechs Wochen zeigen Muster: dass die Ungeduld fast immer denselben Auslöser hat, dass auf bestimmte Tage regelmäßig ein Einbruch folgt, dass ein Vorsatz seit drei Wochen unverändert danebensteht. Ignatius nennt das die Unterscheidung der Geister, und sie braucht Material, das über den heutigen Tag hinausreicht.
Genau dafür ist Lumen gebaut: ein geführtes Examen für jeden Abend, mit einem Tagebuch, das ausschließlich auf dem Gerät bleibt und dort verschlüsselt liegt. Es gibt kein Konto und keinen Server, auf dem diese Einträge gespeichert würden. Die App gibt es unter anderem auf Deutsch, Englisch und Polnisch.
Im deutschsprachigen Raum
Exodus 90 wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz von einem eigenen Verein getragen, der Gruppen vermittelt und Materialien übersetzt. Die Zahl der Teilnehmer bewegt sich im mittleren dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich, mit einem deutlichen Zuwachs in den Fastenzeiten. Wer eine Gruppe sucht, findet sie am ehesten über diesen Weg oder über die eigene Pfarrei.
Für Frauen gibt es mit Magnify 90 und Fiat 90 zwei Programme, die dieselbe Struktur aufnehmen, ohne zu Exodus zu gehören. Auch dort steht die tägliche Gewissenserforschung im Zentrum.