Die gebräuchlichen Texte
Der klassische Reueakt
Mein Gott, ich bereue von ganzem Herzen, dass ich gesündigt habe. Ich habe dich beleidigt, der du das höchste Gut bist und würdig, über alles geliebt zu werden. Ich nehme mir fest vor, mit deiner Gnade nicht mehr zu sündigen und die Gelegenheiten zur Sünde zu meiden. Amen.
Die kürzere Form
O mein Gott, ich bereue meine Sünden, weil ich dafür Strafe verdient habe, vor allem aber, weil ich dich, das höchste Gut, beleidigt habe. Ich will mich bessern mit Hilfe deiner Gnade.
Das Jesusgebet
Alt, kurz und in jeder Lage sprechbar:
Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, eines Sünders.
Aus dem Schuldbekenntnis der Messe
Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und allen Brüdern und Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe. Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken – durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.
In eigenen Worten
Vollkommen ausreichend, und oft ehrlicher:
Es tut mir leid. Ich will neu anfangen. Hilf mir dabei.
Was Reue eigentlich ist
Der Katechismus definiert sie knapp: Sie ist „der Seelenschmerz und der Abscheu über die begangene Sünde, verbunden mit dem Vorsatz, fortan nicht zu sündigen" (KKK 1451, zitiert das Konzil von Trient, DS 1676).
Zwei Teile also: das Urteil über das Vergangene und die Ausrichtung auf das Kommende. Von einem Gefühl steht dort nichts.
Das ist wichtiger, als es klingt. Viele halten sich für unwürdig zur Beichte, weil sie „nichts empfinden". Aber Reue ist kein Empfinden, sondern ein Entschluss. Wer nüchtern feststellt das war falsch, und ich will es nicht mehr, bereut vollständig.
Vollkommene und unvollkommene Reue
Der Unterschied liegt im Grund, nicht in der Stärke.
Vollkommene Reue (Contritio) kommt aus der Liebe zu Gott: Es tut mir leid, weil ich damit den verletzt habe, der mich liebt. Sie bewirkt die Vergebung auch schwerer Sünden, wenn der feste Vorsatz dabei ist, so bald wie möglich zu beichten (KKK 1452).
Unvollkommene Reue (Attritio) kommt aus der Erkenntnis, wie hässlich die Sünde ist, oder aus der Furcht vor der Verdammnis. Sie allein erlangt keine Vergebung schwerer Sünden — aber sie genügt im Bußsakrament und ist selbst schon ein Anstoß Gottes (KKK 1453).
Praktisch heißt das: Wer sich fragt, ob seine Reue „gut genug" ist, stellt die falsche Frage. Für die Beichte reicht die unvollkommene. Und der Weg zur vollkommenen führt nicht über Anstrengung, sondern über das Nachdenken darüber, wer der ist, den man verletzt hat.
Wo der Reueakt hingehört
- In der Beichte, nach der Buße und vor der Lossprechung. Ausführlich: Wie beichtet man?
- Am Ende des Abendgebets. Im Examen ist er der vierte Schritt: aussprechen, um Vergebung bitten — und die Vergebung annehmen.
- In Todesgefahr, wenn kein Priester erreichbar ist. Dann gilt die vollkommene Reue mit dem Vorsatz zur Beichte.
- Vor dem Kommunionempfang, wenn dir etwas Leichtes bewusst ist. Bei schwerer Sünde gehört zuerst die Beichte dazu.
Ein Satz zum Schluss
Der Reueakt hat einen zweiten Teil, den man leicht überliest: „Ich nehme mir fest vor …". Der Vorsatz gehört dazu — aber er ist keine Erfolgsgarantie. Ein Vorsatz, der nicht hält, macht die Reue nicht rückwirkend falsch. Er gehört zur Umkehr, nicht zur Buchhaltung.
Und wenn dich die Frage, ob deine Reue „echt genug" war, regelmäßig umtreibt und die Antwort nie hält: Das ist Skrupulosität, nicht Sorgfalt. Dagegen hilft kein weiteres Prüfen, sondern ein fester Beichtvater, dessen Urteil du annimmst.