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Der Reueakt – Texte und was dahintersteht

Michael Porwol · Zuletzt geprüft: 2026-08-27 · Lesezeit 3 Min.

Kurz gesagt

Der Reueakt ist das Gebet, mit dem du in der Beichte oder im Abendgebet aussprichst, dass dir dein Fehlverhalten leidtut und du es nicht mehr willst. Es gibt feste Texte („Mein Gott, ich bereue von ganzem Herzen…", „O mein Gott, ich bereue…"), aber eigene Worte sind ebenso gültig. Entscheidend ist nicht das Gefühl, sondern der Wille: Es war falsch, und ich will neu anfangen.

Die gebräuchlichen Texte

Der klassische Reueakt

Mein Gott, ich bereue von ganzem Herzen, dass ich gesündigt habe. Ich habe dich beleidigt, der du das höchste Gut bist und würdig, über alles geliebt zu werden. Ich nehme mir fest vor, mit deiner Gnade nicht mehr zu sündigen und die Gelegenheiten zur Sünde zu meiden. Amen.

Die kürzere Form

O mein Gott, ich bereue meine Sünden, weil ich dafür Strafe verdient habe, vor allem aber, weil ich dich, das höchste Gut, beleidigt habe. Ich will mich bessern mit Hilfe deiner Gnade.

Das Jesusgebet

Alt, kurz und in jeder Lage sprechbar:

Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner, eines Sünders.

Aus dem Schuldbekenntnis der Messe

Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen, und allen Brüdern und Schwestern, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe. Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken – durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld.

In eigenen Worten

Vollkommen ausreichend, und oft ehrlicher:

Es tut mir leid. Ich will neu anfangen. Hilf mir dabei.


Was Reue eigentlich ist

Der Katechismus definiert sie knapp: Sie ist „der Seelenschmerz und der Abscheu über die begangene Sünde, verbunden mit dem Vorsatz, fortan nicht zu sündigen" (KKK 1451, zitiert das Konzil von Trient, DS 1676).

Zwei Teile also: das Urteil über das Vergangene und die Ausrichtung auf das Kommende. Von einem Gefühl steht dort nichts.

Das ist wichtiger, als es klingt. Viele halten sich für unwürdig zur Beichte, weil sie „nichts empfinden". Aber Reue ist kein Empfinden, sondern ein Entschluss. Wer nüchtern feststellt das war falsch, und ich will es nicht mehr, bereut vollständig.

Vollkommene und unvollkommene Reue

Der Unterschied liegt im Grund, nicht in der Stärke.

Vollkommene Reue (Contritio) kommt aus der Liebe zu Gott: Es tut mir leid, weil ich damit den verletzt habe, der mich liebt. Sie bewirkt die Vergebung auch schwerer Sünden, wenn der feste Vorsatz dabei ist, so bald wie möglich zu beichten (KKK 1452).

Unvollkommene Reue (Attritio) kommt aus der Erkenntnis, wie hässlich die Sünde ist, oder aus der Furcht vor der Verdammnis. Sie allein erlangt keine Vergebung schwerer Sünden — aber sie genügt im Bußsakrament und ist selbst schon ein Anstoß Gottes (KKK 1453).

Praktisch heißt das: Wer sich fragt, ob seine Reue „gut genug" ist, stellt die falsche Frage. Für die Beichte reicht die unvollkommene. Und der Weg zur vollkommenen führt nicht über Anstrengung, sondern über das Nachdenken darüber, wer der ist, den man verletzt hat.

Wo der Reueakt hingehört

Ein Satz zum Schluss

Der Reueakt hat einen zweiten Teil, den man leicht überliest: „Ich nehme mir fest vor …". Der Vorsatz gehört dazu — aber er ist keine Erfolgsgarantie. Ein Vorsatz, der nicht hält, macht die Reue nicht rückwirkend falsch. Er gehört zur Umkehr, nicht zur Buchhaltung.

Und wenn dich die Frage, ob deine Reue „echt genug" war, regelmäßig umtreibt und die Antwort nie hält: Das ist Skrupulosität, nicht Sorgfalt. Dagegen hilft kein weiteres Prüfen, sondern ein fester Beichtvater, dessen Urteil du annimmst.

Häufige Fragen

Muss ich den Reueakt auswendig können?

Nein. Du darfst ihn ablesen, und eigene Worte sind genauso gültig. Ein Priester wird dir notfalls Satz für Satz vorsprechen.

Was ist vollkommene Reue?

Reue, die aus der Liebe zu Gott kommt, nicht aus Furcht vor Strafe. Sie vergibt auch schwere Sünden schon vor der Beichte – mit dem Vorsatz, so bald wie möglich zu beichten (KKK 1452). Das ist keine Umgehung des Sakraments, sondern die Regel für den Fall, dass es gerade nicht erreichbar ist.

Reicht unvollkommene Reue?

Für die Beichte ja. Unvollkommene Reue (Attritio) entsteht aus der Erkenntnis der Hässlichkeit der Sünde oder aus Furcht vor der Verdammnis. Sie ist ein Geschenk Gottes und bereitet auf die Vergebung im Sakrament vor (KKK 1453).

Was, wenn ich nichts fühle?

Dann ist die Reue trotzdem echt. Reue ist ein Urteil des Willens, kein Gefühlszustand. Wer bereut, ohne bewegt zu sein, bereut vollständig.

Wann betet man den Reueakt außerhalb der Beichte?

Im Abendgebet, am Ende des Examen, vor dem Kommunionempfang, in Todesgefahr. Er passt überall dorthin, wo man einen Tag oder einen Abschnitt abschließt.

Quellen

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