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Anima Christi – Seele Christi, heilige mich

Michael Porwol · Zuletzt geprüft: 2026-08-27 · Lesezeit 2 Min.

Kurz gesagt

Das Anima Christi ist ein kurzes Gebet aus dem 14. Jahrhundert, das mit „Seele Christi, heilige mich" beginnt. Ignatius von Loyola empfahl es in den Geistlichen Übungen als Abschluss der Betrachtung; spätere Ausgaben des Exerzitienbuchs stellten es dem Text voran — seither gilt es als ignatianisch, obwohl es rund zweihundert Jahre älter ist als er. Es wird vor allem nach der heiligen Kommunion gebetet.

Der Text

Seele Christi, heilige mich.

Leib Christi, rette mich.

Blut Christi, tränke mich.

Wasser der Seite Christi, wasche mich.

Leiden Christi, stärke mich.

>

O guter Jesus, erhöre mich.

Birg in deinen Wunden mich.

Von dir lass nimmer scheiden mich.

Vor dem bösen Feind beschütze mich.

In meiner Todesstunde rufe mich.

Und heiße mich kommen zu dir,

auf dass ich mit deinen Heiligen dich lobe

in alle Ewigkeit. Amen.

Lateinisch

Anima Christi, sanctifica me.

Corpus Christi, salva me.

Sanguis Christi, inebria me.

Aqua lateris Christi, lava me.

Passio Christi, conforta me.

>

O bone Iesu, exaudi me.

Intra tua vulnera absconde me.

Ne permittas me separari a te.

Ab hoste maligno defende me.

In hora mortis meae voca me.

Et iube me venire ad te,

ut cum Sanctis tuis laudem te

in saecula saeculorum. Amen.


Woher es kommt

Das Gebet ist im frühen 14. Jahrhundert bezeugt, also gut zweihundert Jahre vor Ignatius. Es findet sich in Handschriften und Missalien dieser Zeit, unter anderem im Umfeld von Avignon, und war im Spätmittelalter als Gebet nach der Wandlung und nach der Kommunion weit verbreitet.

Dass es heute als „Gebet des heiligen Ignatius" gilt, liegt daran, dass er es in den Geistlichen Übungen mehrfach nennt und spätere Ausgaben es dem Text voranstellen. Ignatius selbst setzt es voraus, als etwas, das jeder kennt — er erklärt es nirgends.

Wie es gebaut ist

Elf kurze Bitten, jede nach demselben Muster: etwas von Christustu etwas an mir. Seele, Leib, Blut, Wasser, Leiden. Es ist eine Aufzählung dessen, was in der Passion gegeben wurde, und jede Zeile beantwortet sie mit einer Bitte um Aneignung.

Der zweite Teil wechselt die Richtung: von „heilige mich, rette mich" zu „lass mich nicht von dir scheiden" — vom Empfangen zum Bleiben. Der Schluss schaut auf die Todesstunde und darüber hinaus.

Das ist der Grund, warum es sich zur Danksagung nach der Kommunion so gut eignet: Es sagt genau das, was in dem Moment zu sagen ist, und es sagt es in wenigen Zeilen.

Wann man es betet

Wer es auswendig kann, hat ein Gebet für Situationen, in denen einem keine eigenen Worte einfallen. Das ist der praktische Wert alter Gebete: Sie tragen, wenn man selbst nichts hat.

Häufige Fragen

Hat Ignatius das Anima Christi geschrieben?

Nein. Das Gebet ist rund zweihundert Jahre älter und schon im frühen 14. Jahrhundert bezeugt. Ignatius verweist im Exerzitienbuch mehrfach darauf; dem Text vorangestellt haben es erst spätere Ausgaben, weshalb viele es ihm zuschreiben. Er hat es bekannt gemacht, nicht verfasst.

Wann betet man es?

Am häufigsten als Danksagung nach der Kommunion. In den Exerzitien empfiehlt Ignatius es als Abschluss einer Betrachtung. Es passt auch ans Ende des Abendgebets.

Was bedeutet „Blut Christi, tränke mich"?

Das Bild ist das des Durstlöschens: Was Christus in seiner Hingabe gegeben hat, soll den Beter innerlich durchdringen, wie Wasser trockenen Boden. Es ist eine Bitte um Aneignung, nicht um ein Erlebnis.

Gibt es das Gebet auf Latein?

Ja, und der lateinische Text ist der ursprüngliche. Er steht unten neben der deutschen Fassung.

Quellen

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