Die Kanonenkugel
Íñigo López de Loyola wird 1491 als jüngstes von dreizehn Kindern in eine baskische Adelsfamilie geboren. Er wird Höfling und Soldat, und er ist, nach seiner eigenen späteren Beschreibung, ein Mann der Eitelkeit und der Waffen.
Am 20. Mai 1521 verteidigt er die Festung von Pamplona gegen die Franzosen. Eine Kanonenkugel zerschmettert ihm das rechte Bein. Er lässt es zweimal brechen und neu richten, um wieder in die enge Beinkleidung der Hofmode zu passen — vergeblich, er wird zeitlebens hinken.
Die Genesung dauert Monate. Er will Ritterromane lesen, aber im Haus gibt es nur zwei Bücher: ein Leben Christi und eine Sammlung von Heiligenleben.
Die Entdeckung
Was ihm dabei auffiel, ist der Ursprung von allem Weiteren. Er träumte abwechselnd von ritterlichen Taten für eine vornehme Dame und davon, es dem heiligen Franziskus und dem heiligen Dominikus gleichzutun. Beides begeisterte ihn im Moment gleichermaßen.
Aber: Nach den Rittergedanken blieb er trocken und unzufrieden zurück. Nach den Heiligengedanken blieb er froh — und die Freude hielt an.
Nach und nach lernte er den Unterschied der Geister kennen, die ihn bewegten.
Das ist die ganze Entdeckung, und sie ist kleiner und größer, als man erwartet: Nicht das Gefühl im Moment sagt, woher etwas kommt, sondern die Nachwirkung. Daraus wurden später die Regeln zur Unterscheidung der Geister.
Manresa
1522 zieht er sich für fast ein Jahr in die Nähe von Manresa zurück. Dort betet, fastet und bettelt er — und dort erlebt er die schwerste Krise seines Lebens: eine quälende Angst, in früheren Beichten etwas verschwiegen zu haben. Er beichtet wieder und wieder, findet keine Ruhe und denkt zeitweise daran, sich das Leben zu nehmen.
Was er daraus lernte, hat er später aufgeschrieben (EB 345–351), und es ist bis heute die beste kurze Anleitung zum Thema Skrupulosität: dem Skrupel nicht nachgeben, sondern gegen ihn handeln.
In Manresa entstehen auch die ersten Aufzeichnungen, aus denen die Geistlichen Übungen werden.
Die Geistlichen Übungen
Das Exerzitienbuch ist kein Buch zum Lesen. Es ist ein Handbuch für den, der andere durch die Übungen führt: Anweisungen, Betrachtungsvorlagen, Regeln, Zeitpläne. Wer es wie einen geistlichen Text liest, findet es merkwürdig karg — das ist Absicht.
Der Aufbau in vier Wochen:
- Erste Woche — die eigene Geschichte im Licht der Barmherzigkeit.
- Zweite Woche — das Leben Jesu betrachten, und darin die Frage der Nachfolge; hier steht auch „Die Wahl" (EB 169–189).
- Dritte Woche — Leiden und Tod.
- Vierte Woche — Auferstehung, am Ende die Betrachtung zur Erlangung der Liebe.
Zwei kurze Übungen tragen den ganzen Rest: das allgemeine Examen (EB 43) und das besondere Examen (EB 24–31). Sie sind das, was von den Exerzitien in den Alltag übergeht — und sie sind der Grund, warum es diese Website gibt.
Ignatius hat außerdem die verteilte Form ausdrücklich vorgesehen, für Menschen mit Beruf und Verpflichtungen (EB 19). Daraus wurden die Exerzitien im Alltag.
Der Orden
1534 legen Ignatius und sechs Gefährten in Montmartre Gelübde ab — darunter Franz Xaver und Peter Faber. 1537 wird Ignatius zum Priester geweiht, 1540 bestätigt Papst Paul III. die Gesellschaft Jesu. 1541 wird Ignatius gegen seinen Willen zum ersten General gewählt.
Die letzten fünfzehn Jahre verbringt er in Rom am Schreibtisch: Er schreibt die Satzungen des Ordens und rund 7.000 Briefe. Er stirbt am 31. Juli 1556. Heiliggesprochen wird er 1622, gemeinsam mit Franz Xaver, Teresa von Ávila und Philipp Neri.
Was von ihm bleibt
Vier Sätze, die man kennen sollte:
Nicht das viele Wissen sättigt und befriedigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her. (EB 2)
Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen. (EB 234, das Suscipe)
In der Trostlosigkeit soll man nichts ändern. (EB 318, sinngemäß)
Die Liebe muss sich mehr in den Werken als in den Worten zeigen. (EB 230)
Und eine Übung: eine Viertelstunde am Abend, fünf Schritte, jeden Tag dieselben. Ignatius hielt sie für so wichtig, dass er seinen Mitbrüdern in dringenden Fällen die Betrachtung erließ — das Examen nie.