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Suscipe – Nimm hin, Herr, und empfange

Michael Porwol · Zuletzt geprüft: 2026-08-27 · Lesezeit 3 Min.

Kurz gesagt

Das Suscipe ist das bekannteste Gebet des heiligen Ignatius und steht am Ende der Geistlichen Übungen (EB 234): „Nimm hin, Herr, und empfange meine ganze Freiheit, mein Gedächtnis, meinen Verstand und meinen ganzen Willen." Es ist eine Übergabe ohne Rückbehalt — und der Schlusspunkt eines ganzen Weges, nicht sein Anfang. Man sollte es nicht leichtfertig beten.

Der Text

**Nimm hin, Herr, und empfange

meine ganze Freiheit,

mein Gedächtnis, meinen Verstand

und meinen ganzen Willen,

alles, was ich habe und besitze.**

>

Du hast es mir gegeben;

dir, Herr, gebe ich es zurück.

Alles ist dein,

verfüge darüber ganz nach deinem Willen.

Gib mir deine Liebe und deine Gnade,

das genügt mir.

Lateinisch

Suscipe, Domine, universam meam libertatem.

Accipe memoriam, intellectum atque voluntatem omnem.

Quidquid habeo vel possideo mihi largitus es;

id tibi totum restituo, ac tuae prorsus voluntati trado gubernandum.

Amorem tui solum cum gratia tua mihi dones,

et dives sum satis, nec aliud quidquam ultra posco.


Wo es steht — und warum das wichtig ist

Das Suscipe steht in den Geistlichen Übungen unter Nummer 234, in der Betrachtung zur Erlangung der Liebe. Die schließt die vierte Woche ab und damit den ganzen Weg der Exerzitien.

Das ist keine Nebensache. Ignatius stellt vor das Gebet zwei Vorbemerkungen (EB 230–231): dass die Liebe sich mehr in Werken als in Worten zeigt, und dass Liebe im gegenseitigen Mitteilen besteht — der Liebende gibt dem Geliebten, was er hat.

Dann lässt er den Betenden vier Betrachtungen machen: was Gott ihm gegeben hat, wie Gott in allen Dingen wohnt, wie Gott in allen Dingen wirkt, und wie alles Gute von oben herabkommt. Erst danach kommt das Suscipe.

Anders gesagt: Es ist eine Antwort, keine Vorleistung. Wer es zuerst betet, sagt etwas, das er noch nicht weiß.

Was übergeben wird

Ignatius zählt vier Dinge auf, und die Reihenfolge ist bedacht:

Dann erst „alles, was ich habe und besitze". Der Besitz kommt zuletzt, weil er das Leichteste ist.

Und die Begründung steht gleich dahinter: Du hast es mir gegeben. Es wird nichts weggegeben, es wird etwas zurückgegeben.

Der Schlusssatz

Gib mir deine Liebe und deine Gnade, das genügt mir.

Lateinisch steht dort wörtlich: et dives sum satis — „und ich bin reich genug". Das ist der Punkt, an dem das Gebet aufhört, ein Verzicht zu sein.

Wie man damit umgeht

Wenn es dir zu groß ist, ist das die richtige Reaktion. Ignatius hätte nichts anderes erwartet.

Drei Wege damit:

Häufige Fragen

Wo steht das Suscipe?

In den Geistlichen Übungen unter Nummer 234, innerhalb der Betrachtung zur Erlangung der Liebe – also ganz am Ende der vierten Woche.

Was heißt „Suscipe"?

Lateinisch für „Nimm hin" oder „Empfange" – das erste Wort des Gebets, nach dem es benannt ist. So werden lateinische Gebete traditionell zitiert.

Warum sagt Ignatius, man solle es vorsichtig beten?

Weil es alles hergibt: Freiheit, Gedächtnis, Verstand, Willen, Besitz. Es steht am ENDE eines vierwöchigen Weges, auf dem sich zeigen sollte, wem man das anvertraut. Am Anfang gesprochen, ist es eine Behauptung, die das Herz nicht deckt.

Ist das nicht Selbstaufgabe?

Nein, und der Schlusssatz sagt warum: „Gib mir deine Liebe und deine Gnade, das genügt mir." Es ist kein Verzicht auf sich selbst, sondern ein Tausch – und die Voraussetzung dafür ist die Erfahrung, dass der andere zu trauen ist.

Quellen

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