Drei Ansätze, nicht drei Ränge
Wer nach einer Examen-App sucht, sucht meistens etwas Genaueres, als er beim ersten Mal sagen kann. Es lohnt sich, vorher eine Frage zu klären: Willst du geführt werden, willst du Auswahl, oder willst du deinen Weg sehen?
Wenn du geführt werden willst: „einfach beten!"
Herausgegeben von den Jesuiten in Zentraleuropa gemeinsam mit dem Weltweiten Gebetsnetzwerk des Papstes, hervorgegangen aus dem gleichnamigen Podcast (Ostern 2023) nach dem Vorbild des britischen Pray as you go. Kostenlos und werbefrei.
Der Kern sind Audiofolgen von zehn bis fünfzehn Minuten mit Musik, Tagesevangelium und geführten Fragen. Samstags tritt an die Stelle des Tagesevangeliums ein Wochenrückblick – das Examen. In der App gibt es dazu ein persönliches Gebetstagebuch und einen Bereich, der die Tagesrückblicke bündelt.
Passt zu dir, wenn du abends lieber hörst als liest, wenn du Struktur von außen brauchst und wenn dir eine wöchentliche Rückschau genügt.
Wenn du Auswahl willst: Hallow
Die größte katholische Gebets-App, aus den USA, mit deutscher Oberfläche. Rosenkranz, Novenen, Bibel in einem Jahr, Schlafgebete, Musik, Fastenzeit-Aktionen, dazu geführte Examen-Meditationen. Zum Ausprobieren gibt es eine Testzeit, danach ein Abo.
Die Stärke ist die Breite: Für fast jede Gebetsform findet sich etwas, oft mit bekannten Sprechern. Der Preis dieser Breite ist, dass das Examen eine Rubrik unter vielen ist und nicht die Mitte.
Passt zu dir, wenn du eine Gebets-Bibliothek suchst und dich von Angeboten gern tragen lässt.
Wenn du deinen Weg sehen willst: Lumen
Lumen macht nur eine Sache: das tägliche Examen, in sieben Schritten, jeden Abend. Statt vorzulesen, hört es zu – du schreibst oder diktierst, und was du schreibst, bleibt.
Daraus entsteht das, was die anderen Ansätze nicht liefern: Muster über Zeit. Nach ein paar Wochen sieht man, welche Situationen immer wieder dieselbe Enge auslösen und woran es regelmäßig hakt. Genau daraus baut Lumen die Vorbereitung auf die Beichte – nicht aus einer Liste von Einzelfällen, sondern aus der Wurzel darunter.
Dazu kommen die weiterführenden ignatianischen Inhalte: die Regeln zur Unterscheidung der Geister, Exerzitien im Alltag, „Die Wahl" nach EB 169–189 und das besondere Examen.
Passt zu dir, wenn du täglich betest, dich über Monate begleiten lassen willst und Wert darauf legst, dass deine Aufzeichnungen dir gehören.
Die Frage, die vor den Funktionen kommt
Ein Examen ist kein Podcast-Abo. Wer es ehrlich betet, schreibt Dinge auf, die er sonst niemandem sagt. Bevor du irgendwo anfängst zu schreiben, klär drei Punkte:
- Wo liegen die Texte? Auf dem Gerät oder auf einem Server? Verschlüsselt oder lesbar?
- Braucht es ein Konto? Ein Konto heißt: Es gibt anderswo eine Zeile mit deinem Namen daneben.
- Wird ausgewertet? Manche Anbieter personalisieren Empfehlungen anhand des Verhaltens. Das mag beim Musikdienst harmlos sein. Beim Gebetsleben ist es eine Entscheidung, die man bewusst treffen sollte.
Bei Lumen ist die Antwort: alles AES-256-verschlüsselt auf deinem Gerät, kein Konto nötig, keine Auswertung deines Gebetslebens. Die Wolken-Sicherung ist zuschaltbar und ebenfalls verschlüsselt – wir können sie nicht lesen. Deine Texte werden nie von KI verarbeitet; die optionalen Vorlese-Stimmen des Tagesevangeliums sind synthetisch, und das steht auch so in der App.
Bei den anderen Anbietern steht die Antwort in deren Datenschutzerklärung. Sie zu lesen ist eine Viertelstunde gut investiert.
Ergänzen statt ersetzen
Diese Apps schließen einander nicht aus. Viele hören morgens eine geführte Folge und beten abends das Examen selbst. Das eine bringt Nahrung, das andere Selbsterkenntnis.
Und keine von ihnen ersetzt, was nur Menschen tun: die Beichte, die geistliche Begleitung, die Gemeinde. Eine gute App führt dorthin – sie hält niemanden fest.
Stand: August 2026. Funktionsumfang und Preise der genannten Apps ändern sich; die Angaben zu fremden Anbietern beruhen auf öffentlich zugänglichen Quellen und deren eigenen Angaben. Lumen wird von Michael Porwol herausgegeben, dem Autor dieser Seite – dieser Vergleich ist damit nicht neutral, aber er soll fair sein.